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Die Geschichte der Karnevalsgesellschaft Schafskopf
Man schrieb das Jahr 1903, als eine Zahl närrischer Bürger eine neue Karnevalsgesellschaft gründete. Teils, weil sie noch keiner angehörten, aber der Narretei zugetan waren, teils, weil sie mit der vorhandenen Gesellschaft "Wohlgemut" aus irgendeinem Grund unzufrieden waren. Wie auch immer, die neue Gesellschaft wurde auf der Kegelbahn des Bahnhotels aus der Taufe gehoben und erhielt den sicherlich einmaligen wie wunderschönen Namen "SCHAFSKOPF".
Dazu kam es, weil man zwar sehr schnell über die notwendigen Regularien einig war, nur nicht über den Namen. Man diskutierte lang und intensiv, aber ergebnislos. Das wurde einem der Anwesenden zu viel, er stand auf und sagte: "Mir reicht`s, ich gehe jetzt heim, macht doch was ihr wollt ihr Schafsköpfe!" Das ist es, riefen seine Mitstreiter, das ist der Name unserer neuen Gesellschaft: SCHAFSKOPF.
Zu den Gründern gehörten: Peter Weiler,Clemens Peters, Heinrich Barz, Peter-Josef Barz, Fritz Krämer, Nikolaus Knodt und Lothar Lenarz.
Der Verein entwickelte sich in den Jahren bis zum 1 . Weltkrieg außerordentlich gut, was sich aus heute noch vorhandenen Unterlagen wie Liederbüchern, Plakaten, Kappensitzungsprogrammen, beweisen lässt. Beim Veilchendienstagszug 1910 waren in der Zugfolge 33 Nummern aufgeführt, darunter 12 Wagen, mehrere Kapellen und viele Fußgruppen, darunter höchst interessante wie "Pelzhändler", "Frettierer" und "Schneeschöpper", oder "närrische Nordpolfahrer". Kurz, der Zug war schon damals weit und breit berühmt und bekannt und aus diesen Gründen viel besucht. Der 1. Weltkrieg unterbrach zwangsläufig diese Entwicklung, aber auch die ersten Nachkriegsjahre waren kein besonders guter Nährboden für den Karneval, obwohl man auch damals Jahr für Jahr den Zug durchführte und dabei schon vorher beim Wagenbau und Rosen machen viel Spaß hatte.
Beim Schafskopf bestand in jenen Jahren, übrigens genau wie beim Wohlgemut, der Brauch, dass jeder Ochtendunger sich "Mitglied machen konnte". Eine Regelung, die bis in das Jahr 1952 praktiziert wurde. Man kam also zur alljährlich stattfindenden Versammlung kurz vor der Fastnachtszeit, zahlte seine 50 Pfennig, später 1 Mark Beitrag und war damit für 1 Jahr Mitglied mit dem Recht, Vorstand und Elferrat mit zu wählen.
Derartige Versammlungen mussten des großen Andrangs wegen immer auf den kleinen Sälen stattfinden, denn wo sonst noch konnte man für 50 Pfennig Beitrag alle Veranstaltungen besuchen, Vorstand und Elferrat wählen?
1928 gehörten dem Elferrat an: Jakob Barz, Karl Bersem, Nikolaus Esch, Edmund Gries, Emil Gries, Ernst Kohnz, Johann Krämer, Oskar Lotz, Franz-Josef Merkler, Balthasar Müller, Peter Weber.
1932 wurde Leo Knodt, mit noch verhältnismäßig jungen Jahren Präsident, der es in der folgenden Zeit bis Kriegsanfang blieb und der sich um den Karneval und den Schafskopf in jenen Jahren große Verdienste erworben hatte. 1934 kam es dann, allerdings mehr durch Druck von Oben als eigenen Willen, zur Gründung der Großen Ochtendunger Karnevalsgesellschaft, also zu einer Fusion zwischen Schafskopf und Wohlgemut. Während des 2. Weltkrieges ruhte das Vereinsleben völlig, Auch in den ersten Nachkriegsjahren tat sich nicht viel, weil die Besatzungsmächte ein ganz wesentliches Merkmal des Karnevals, das Maskentreiben verboten hatten. Sie befürchteten wohl, dass sich unter den Masken ganze deutsche Armeen wieder zusammenfinden könnten. Aber so langsam ging es dennoch mit dem Karneval wieder bergauf. 1946 bis 1948 war es der Theaterverein Hand in Hand, der die ersten Kostümbälle durchführte. Dann aber kamen die alten Schafsköpfe der Vorkriegszeit zu der Überzeugung, dass es höchste Zeit wäre, den Schafskopf wieder zum Leben zu erwecken.
Es waren Hanni Krämer und Leo Schrömges, die den Anstoß zur ersten Versammlung gaben, die im Gasthaus Lenarz stattfand und von 35 närrisch interessierten Bürgern besucht war. Das Ergebnis dieser Versammlung war, dass am 12.12.1948 dem Amt in Polch in deutscher und französischer Sprache kund getan wurde, dass die KG Schafskopf wieder erstanden war.
Unterschrieben wurde dieses "zeitgeschichtliche Dokument" von B. Müller als Präsident, Hanni Krämer als Vizepräsident, Josef Brücken als Schriftführer, Albert Barz als Kassierer und W. Kamenz als Beisitzer.
Dem ersten Nachkriegselferrat gehörten außerdem noch an: Leo Schrömges, Alois Jülich, Toni Dingendorf, Robert Giering, Fridolin Kohnz, Adolf Kirst.
Es war eine schöne Zeit, so sagten die damaligen Elferratsmitglieder. Man lebte von der Improvisation, denn es fehlte ja an allen Enden und Ecken. Geld war knapp, Kostüme gab es kaum noch, da wurden für Maskenbälle die Kleider der Oma aus dem Schrank geholt, oder der Vorhang von der Wasserbank zum Rock umfunktioniert. Aber all dies tat der wieder entdeckten Lebensfreude keinen Abbruch. Es war 1949 sogar möglich, 8 Tage vor Fastnacht den Vorstandsbeschluss zu fassen: "wir machen wieder einen Zug mit einem Prinzen" und so geschah es auch.
Es war Vincenz Kohnz, der zum Prinzen gekürt wurde und dem dann am Veilchendienstagszug die Ochtendunger und viele viele Fremde begeistert zujubelten.
Das große Problem das gelöst werden musste war, wo bekommen wir die Prinzenuniform her? Glücklicherweise hatte die Uniform vom Müller Bältes, dem damaligen Präsidenten, der 1928 bei der 25-Jahrfeier Prinz war, die Zeit heil und gut überstanden. Sie passte auch seiner Tollität Vinzenz dem 1. Als Hose diente eine "Maurerbux". Es gab 8 Wagen und viele viele Fußgruppen, die zwar mit einfachen Kostümen aber um so größerer Freude dabei waren.
Und wer von den alten Schafsköpfen erinnerte sich nicht gerne daran, als 1950 mitten in der schönsten Stimmung die französische Militärpolizei auf dem Saal vom Post Philipp auftauchte - und Prinz Robert 1, der ja eine respektable Figur hatte, dem ziemlich bedeppert dastehenden Streifenführer in sekundenschnelle den Stahlhelm vom Kopf nahm, ihm die Prinzenmütze aufsetzte, um ihm anschließend mit dröhnender Stimme sein Leib- und Magenlied "Bitsche-bitsche Beitscher" vorsang. Es war für die Militärpolizei wohl doch etwas zuviel Remmi-demmi, denn sie verließ geradezu fluchtartig den Saal.
In jenen Jahren war auch noch ein ungeheuer karnevalistischer Nachholbedarf vorhanden, denn wie sonst wäre es zu erklären, dass schon Stunden vor Kasseneröffnung ganze Menschenschlangen vor der Tür standen und man an Schwerdonnerstag und den drei tollen Tagen die beiden großen Säle so gut besetzt waren, dass man buchstäblich "über die Köpfe hätte gehen können." Man kann es sich heute gar nicht mehr vorstellen.
Genauso wenig kann man sich vorstellen, dass damals noch mit Pferden durch das Dorf geritten und "ausgerufen" wurde. Alles was es so an Dorfneuigkeiten gab wurde, oft noch schön in Verse verpackt, den Mitbürgern, die an den Ecken standen, mitgeteilt, was man sich derzeit, bei der viel größeren Empfindlichkeit der Leute gar nicht mehr vorstellen kann, so z.B. "Tausche Ferkel, fast Läufer schon, gegen gut erhaltenen Schwiegersohn", und dann folgte der Name des Tauschinteressenten.
Es war auch die Zeit, als zwei einheimische Büttenredner, jeder auf seine ganz persönliche Art einzeln, aber auch gemeinsam am Narrenhimmel glänzten. Ihre Auftritte und Büttenreden waren stets besondere Ereignisse. Es waren Toni Dingendorf "Krämeschtünnestoni" und Hans Weiler Sonnig . Wenn sie mitwirkten, konnte eine Kappensitzung nie schief laufen.
1953 feierte der Schafskopf sein 50jähriges Bestehen mit einer großen Sitzung im Saale Renken/Ohligschläger.
Von den Gründern waren damals noch Johann Josef Barz, Peter Weiler und Fritz Krämer dabei. Ab 1953 wurde mit der Regelung des "Mitgliedmachens" aufgehört, weil es sich finanziell nicht mehr vertreten lies, dass Mitglieder für 1 Mark bei allen Veranstaltungen freien Zutritt hatten. Der Schafskopf wurde damit ein Verein wie jeder andere auch. Er hat sich auch in dieser Form bewährt und trug maßgeblich zur Gestaltung und Förderung des heimischen Karnevals bei, sei es durch den Wagen und die große Fußgruppe am Veilchendienstagszug oder durch Mitwirkung seiner Büttenredner bei den Sitzungen oder durch Gemeinschaftsauftritte aller Aktiven.
In jenen Jahren wurden auch die "Sängerknaben" aus der Taufe gehoben, die alsbald zum festen Bestandteil der jährlichen Kappensitzungen wurden, bei denen sie in erster Linie dörfliche Ereignisse glossierten, was aber immer in nie verletzender Weise geschieht und auch nie "unter die Gürtellinie" ging. Unvergessen auch die Auftritte als Ballett mit dem "sterbenden Schwan" oder als großartige Mannequins bei einer begeisternden Modenschau oder als Turnierriege mit artistischen Einlagen. Auch für die Erhaltung des umfangreichen närrischen Liedgutes sorgte der Schafskopf, als er zum 88jährigen Bestehen das Liederheft "Närrisches, singendes Ochtendung" herausgab, des 37 närrische Ochtendunger Lieder enthält, und das sind noch längst nicht alle. Auch das Vereinsleben selbst hat sich sehr karnevalistisch und vielgestaltig entwickelt. Es sei hier nur an den alljährlichen "Schluss" am Ende der Session, den Vatertagsausflug mit Frauen und Kindern, das Herdenfest, den Almabtrieb und die Moseltour erinnert.
Es gäbe sicherlich noch manches zu sagen, aber das würde dann doch zu viel. So hat der Schafskopf 100 Jahre lang in guten wie in schlechten Zeiten den Karneval in Ochtendung mitgestaltet, Freude gegeben und empfangen, und seine Mitglieder haben viele schöne und unvergessene Stunden erlebt, die sie mit Sicherheit nicht missen möchten.
So ist nur zu hoffen und zu wünschen, dass es auch in Zukunft so bleibt.
Als Präsidenten des Schafskopf wirkten bis 1931: Clemens Peters, Lothar Lenarz, Fritz Krämer, Fritz Kohnz, Hugo Kohnz, Peter Weiler, Anton Schuster, Servatius Floeck, Peter Krämer, Johann Krämer, Nikolaus Esch und Severin Einig.
Als Präsidenten des Schafskopf wirkten ab 1932: 1932 - 1939: Leo Knodt 1949 - 1953: Balthasar Müller 1954 - 1992: Werner Kamenz 1993 - 1994: Rudi Schäfer 1994 - 2004: Günter Pinetzki 2004 - 2011: Frank Kohnz Ab 2011: Sascha Lagodny
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